Das weiche Fleisch der Margarinen. Über Sonja Alhäuser.
von Sven Grünwitzky | Berlin Kunstblog | Künstler | EssayÜber Zeugung und Verspeisung von Kunstkörpern in den Arbeiten von Sonja Alhäuser.
Ach, sie lieben es davonzufliegen!
In Kühlvitrinen werden sie gelagert: die Butterkörper und Margarinenleiber. Gut, schon beinahe grell ausgeleuchtet hinter Glas. Lehnendes Hallo und Das kleine Willkommen sind ihre Namen. Bezaubernd schön in ihrer buttrigen Nacktheit bleibt ihr gehärtetes Fleisch dem Zugriff und Tastsinn entzogen. Die von Sonja Alhäuser aus dem fettigen Grundnahrungsstoff geformten Geschöpfe sind gefangen in der Blickfalle ihrer Schaukästen. Unbekümmert, teils übermütig und wie trunken von ihrem selbstbezüglichen Spiel toben und tollen sie in barocker Paraphrase durch die Enge der gläsernen Zellen. (weiterlesen …)
Ich habe dich zum Fressen gern. Alles Kannibalen?
von Sven Grünwitzky | Berlin Kunstblog | Ausstellungen SammlungEin Ausstellungsrundgang im Me Collectors Room Berlin.
Installationsansicht, Alles Kannibalen, 2011, © me Collectors Room Berlin, Foto: Jana Ebert 1
Alles Kannibalen? Eine Ausstellung im Me Collectors Room Berlin versucht gegenwärtig dem vielschichtigen Thema der Anthropophagie auf die Spur zu kommen. Die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Ausstellungshaus „la maison rouge“ entwickelte Ausstellung war dort zunächst bis zum 15. Mai am Boulevard de la Bastille zu sehen. Nun sind die Kannibalen in Berlin. Und bespielen dort das private Kunst- und Sammlerhaus Olbricht, dessen fest installierte Kunst- und Wunderkammer mit Werken der Renaissance- und Barockzeit eine gute Begleiterin gibt. Schließlich formt sich aus den Kuriositäten an den Nahtstellen von Kunst und Natur ein bedeutungsvoller eigener Kosmos aus Leben, Eros, Tod und Vergänglichkeit. (weiterlesen …)
Aufzeichnungen aus dem Friedrichshainer Gehäuse. Zu Besuch bei Falk Nordmann.
von Sven Grünwitzky | Berlin Kunstblog | Künstler | EssayEin Besuch im Atelier des Berliner Künstlers Falk Nordmann
In der Zirkulation der Bilder und Zeichen, im Strom der Texte und Symbole ist kein Anfang in Sicht. In immer neuer Gestalt weisen sie hin und her und zeigen ihre Schatten, aus deren derben Flecken der Umriss kommender Zeichnung wuchert. In der Nähe dieser Zeichnung liegen Höhle und Häutung, liegen Gärungsbuchten. Ein wieder und wieder gewendetes Spiel aus Impulsen, Umwegen und Sendungen. In den Hirnrinden und auf dem Papier.
Im Friedrichshainer Atelier schweben Staubpartikel im seidenen Licht der Frühsommersonne. Wir sitzen bequem, die Sessel sind tief. Draussen die schon passierten Wege, die schrägen Schatten. Ich blicke auf den kleinen tuschschwarzen Tisch, an dem die Zeichungen entstehen. Hier ist das Innere des Kokon. Die Behausung des Zeichners. Kokon nennt sich ein umfangreiches Konvolut von Zeichnungen auf Bütten, angefertigt über Jahre, mittlerweile angewachsen auf weit über Tausend, die sich derzeit in 11 Schachteln zu 111 Zeichungen aufstauen. In ihnen kreist ein heterogener Kosmos aus Bildelementen, ein bewegliches Heer von Bildern und Zeichen, deren dubiose Sinnbezirke nicht immer klar zu kartographieren sind, aus deren Schattennestern und Lichtlachen aber sich Geflechte präzis gefasster Wirklichkeitsabkömmlinge, metaphorische und katastrophische Landschaften, unmögliche, ineinandergekantete Architekturen ausformen. (weiterlesen …)





