John Smith.
The Girl Chewing
Gum. (1976)

Videofundstück.
Ein Kleinod der experimentellen
Avantgarde-Kurzfilme.

»Even the dog was instructed to piss up a lamp-post.« John Smith

John Smith The Girl Chewing Gum von 1976 ist ein Kleinod der experimentellen Avantgarde-Kurzfilms.
Zwölf Minuten lang beobachtet der Streifen auf einer scheinbar beliebigen Londoner Straßenkreuzung, wie englische Herren verschiedenen Alters im Trenchcoat, mit Aktentasche, mit Zeitung, mit oder ohne Hut, wie Frauen mit ihren Kindern am Arm oder ein Kaugummi kauendes Mädchen mehr oder weniger ziellos durchs Bild laufen. Und immerzu scheint die Stimme der Regie den Geschehnissen voraus zu eilen, als sei die Tonspur des Dokumentarfilms verrutscht oder die Regieanweisung für den Film versehentlich nicht gelöscht.
Mit der eindringlichen Macht der gesprochenen Sprache diktiert die Erzählerstimme den filmischen Handlungsablauf. Das Phantom der Regie ruft aus dem Off, was im nächsten Moment im Bild erscheinen wird. Durch diese nachträglich eingesprochenen Direktiven erscheint der zufällige Ablauf der Straßenszene wie von der Macht der sprachlichen Anweisung gelenkt. Eine raffinierte und zugleich witzige Studie über die vertuschte Planbarkeit filmischer Illusion und die Möglichkeit, mit einfachsten Mitteln die mechanische Selbstvergessenheit des Kinos zu desillusionieren. Spielerisch formt Smith unsere Wirklichkeitserfahrung und Wahrnehmungsgewissheiten um und untersucht mit einem dezent daherkommenden britischen Humor die Sprache des Kinos, indem er das fingierte Script der Zufälligkeit sichtbar macht.