Tobias Rehberger.
Home and Away
and Outside.

✶ Ausstellungstipp ✶
Schirn Kunsthalle Frankfurt.
21. Februar - 11. Mai 2014

Tobias Rehberger. Home and Away and Outside Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2014 Foto: Norbert Miguletz
Tobias Rehberger. Home and Away and Outside, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2014 Foto: Norbert Miguletz

“Wenn man die Welt im Vor- und auch im Hinterzimmer ordentlich gestapelt hat, ist es sehr hilfreich, wenn einem beim Umstapeln etwas geholfen wird, möglichst so, daß einem der Bettvorleger zum Tiger wird” (Tobias Rehberger)

Die Schirn Frankfurt präsentiert vom 21. Februar bis zum 11. Mai 2014 in einer von Tobias Rehberger aufwendig gestalteten Ausstellungsarchitektur eine Auswahl von mehr als 60 Arbeiten des in Frankfurt lebenden Künstlers. Dabei soll auch die mediale, thematische und kontextuelle Vielschichtigkeit von Rehbergers Werk auf- und seine künstlerische Entwicklung nachgezeichnet werden.
Bekannt ist Rehberger vor allem für sein Ensemble aus Vasenportraits befreundeter Künstler und seine bunt-poppigen Sitzmöbel. Die Idee eines halbironisch durchdeklinierten Interieurs brachte ihm auf der 53. Biennale von Venedig sogar den Golden Löwen für die Caferia-Gestaltung im Palazzo delle Esposizione.
Tobias Rehbergers Arbeit spielt mit der scheinbaren Banalität unseres Alltages und der Gestaltungsmöglichkeiten unseres individuellen Umfelds. An der Schnittstelle von funktionsbedingter Architektur und gebrauchsorientierter Skulptur bewegen sich seine Arbeiten zwischen Design, Handwerk und Kunst. Dabei interessieren ihn Fragen nach dem Verhältnis von Modell und Reproduktion, Gedächtnis und Imitation, Abweichung und Übertragung. So ließ er Designklassiker der europäischen Moderne anhand eigenhändiger Erinnerungsskizzen von afrikanischen Kunsthandwerkern nachbauen. Auch ganze Automobile ließ er nach dem gleichen Verfahren in Thailand herstellen.

Rehberger verarbeitet dabei fremde Ideen weiter und bindet die Fertigkeiten anderer in die Herstellung seiner Objekte und Installation mit ein. Er verzerrt so die Signaturen von Autorschaft und Identität. Aus diesen formalen, inhaltlichen und medialen Übersetzungs- und Vermittlungsprozessen entstehen am Ende fast immer Hybridformen, in denen kulturelle, aber auch historisch und technologische unterschiedliche Hintergründe amalgamiert wurden. Dabei wird die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen zu popigen Design-Amalgamen verschmolzen.

Für die Ausstellung in der Frankfurter Schirn bezieht sich Rehberger nun auf die optischen Irritationsstrategien des sogenannten »Dazzle Painting«, eine visuelle Tarnstrategie, die als militärische Camouflage zur Unkenntlichmachung von Kriegsschiffen im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. Rehberger tapeziert die Museumswände mit eigens für die Ausstellung entworfenen grafischen Mustern, die ein verwirrendes optisches Flimmern erzeugen. Im Spiel mit den Fähigkeiten der optischen Täuschung verschmelzen Architektur, Ausstellungsdesign und Kunstwerke ineinander. Die Oberflächen schlucken Identität, Körper und Raum. Und die Kunst: sie verschwindet im Design.

Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg 

60311 Frankfurt am Main
Di, Fr – Sonntag 10.00 – 19.00 Uhr
Mi, Do 10.00 – 22-00 Uhr