IWF
Mördertreff.

One Night Group Show
Spor Klübü Berlin - 28. November 2014

IWF - Mördertreff at Sporklübü Berlin

Ende September 1988. Melancholie liegt über der Stadt. Im Ostteil der Stadt grummelt die Depression. Noch ein gutes Jahr bis zum Mauerfall. Über die Atmosphären dieser Zeit erzählt der Himmel über Berlin mehr als die bunten Gegenwarts-Kulissen der Stadt es heute können. Im zugemauerten West-Berlin wird in jenem Herbst eine der größten internationalen Tagungen in der Geschichte der BRD geplant. Im intergalaktisch schillernden Riesen-UFO des ICC treffen Vertreter des IWF und der Weltbank mit tausenden Finanzexperten zu einer medienwirksamen Groß-Tagung zusammen. Es geht um Geld und Macht, um die Armut der Völker und die moralische und ökonomische Frage nach einem Schuldenerlass für Entwicklungsländer. Auf einem Gegenkongress linker Gruppen an der TU Berlin wird das Ende kolonialer Ausbeutung gefordert. Der Spiegel spricht von Reizthemen für die autonome Szene und prophezeit stressige Nächte. Die TAZ nennt es Bullenhauptstadt Europas. Und Kanzler Kohl gibt zu Protokoll: „Da darf nichts schief gehen.“  Mit dem Hinweis auf militante Tagungsgegner werden über zehntausend Polizisten in Berlin zusammengezogen, Wasserwerfer werden nach und nach über die Transitwege nach West-Berlin beordert, und auf der Grundlage des Anti-Terror-Paragraphen 111 sind Straßenkontrollen auch ohne Verdachtsmoment uneingeschränkt erlaubt. Schon im Jahr zuvor gab es bei Straßenschlachten anlässlich des Besuches von Ronald Reagan hunderte von Verletzten. Während sich im Ost-Teil der Stadt die Bürgerbewegung um das Kerzenlicht in den ökumenischen Schutzräumen der Kirchen formiert, treibt es die anti-imperialistischen Aktionsbündnisse in West-Berlin zum Kampf gegen die Herrschaft des Finanzkapitals auf die Strassen. Eine ihrer skandierten Parolen: IWF Mördertreff.
Im selben Jahr hatte auch Alfred Herrhausen schon einen verantwortungsbewussteren Umgang mit finanzpolitischer Macht, größere Transparenz für das kapitalistische System und einen umfassenden Schuldenerlass für hoch verschuldete Entwicklungsländer gefordert. Herrhausen starb im November 1989 durch ein Bombenattentat. Die Täter wurden nie ermittelt. Offiziell übernahm die RAF durch ein Bekenner-Schreiben die Verantwortung.

Seit 2005 veranstaltet der Künstler und Spor Klübü-Projektraumbetreiber Matthias Mayer eine Reihe jährlicher Gruppenausstellungen, die sich thematisch mit Zitaten aus den 1980er Jahren beschäftigen.

Für eine Nacht vereint er an diesem Freitag 94 Künstler unter der vergessenen Parole aus jenen aufreibenden September-Tagen der Vorwende-Zeit in West-Berlin. Angesichts der jüngsten Event-Choreographien zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mit seinen in emotionalem Kitsch erstickenden politischen Gedächtnisfeierlichkeiten ein bemerkenswerter Hinweis auf andere Wege der Erinnerungskultur.

Spor klübü
Freienwalder Str. 31
13359 Berlin
Freitag, 28.11.2014, 19 Uhr

Teilnehmende Künstler_innen:
Boris Abel, Sonja Alhäuser, Amt für Apokalyptische Aufklärung, Heike Kati Barath, Sheila Barcik, BEWEGUNG NURR, Roland Boden, Sascha Boldt, Heike Bollig, Manuel Bonik, Lutz Braun, Saskia Breitenreicher, Conni Brintzinger, Matthew Burbidge, Sonja Burbidge, Alexander Callsen, Till Cremer, Swen Daemen, Lizza May David, Die Philosophischen Bauern, Nataly Dietz, Ursula Döbereiner, Jürgen Drescher, Maria Ducasse, Irena Eden & Stijn Lernout, Ethno-Maieutik & Reduce Ltd., Frederik Foert, Tom Früchtl, Robert Gfader, Zoe Giabouldaki, Lukas Glinkowski, Mariola Groener, Armin Häberle, Stephanie Hanna, Andrea Hartinger, Tina Isabella Hild, Hervé Humbert, Jeroen Jacobs, Jakob Jensen, Uwe Jonas, Alexander Laudenberg, Cédric Le Corf, Peter Jap Lim, Sven Kalden, Manfred Kirschner, Silke Koch, Ulrike Kuschel, Simone Lanzenstiel, Christine Lemke, Sabine Linse, Martin Löhr, Jens Christian Madsen, Matthias Mayer, Stefanie Mayer, Zoë Claire Miller, Alexander Minor, Ulrike Mohr, Oliver Möst, NEOZOON, Hester Oerlemans, Kirsten Palz, Wolfgang Plöger, Maria-Leena Räihälä, Øyvind Renberg, Kirstin Rogge, Adrian Schiesser, Mira Schnedler, Ann Schomburg, Stefanie von Schroeter, Michael Schultze, Veronika Schumacher, Marike Schuurman, Olivia W. Seiling, Daniel Seiple, Eva Seufert, Heiko Sievers, Heidi Sill, Alexander Skorobogatov, Johanna Smiatek, Erik Smith, Elisabeth Sonneck, Max Sudhues, Gabriele Stellbaum, Sarah Strassmann, Vassiliea Stylianidou, Maki Takano, Thea Timm, Alessandro Vitali, Gabriela Volanti, Gabriel Vormstein, Linda Weiss, Annette Weisser, Maja Weyermann, Sibylle Zeh, Gloria Zein, Michaela Zimmer