Martin Assig
Glückhaben

Haus am Waldsee / Berlin
6. März bis 25. Mai 2015

Installationsansicht "Martin Assig - Being Fortunate", Haus am Waldsee, 2015, Foto: Roman März Ⓒ VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Installationsansicht "Martin Assig - Being Fortunate", Haus am Waldsee, 2015, Foto: Roman März Ⓒ VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Installationsansicht "Martin Assig - Being Fortunate", Haus am Waldsee, 2015, Foto: Roman März Ⓒ VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Installationsansicht “Martin Assig – Being Fortunate”, Haus am Waldsee, 2015, Foto: Roman März Ⓒ VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Beinahe hätte ich es dann doch verpasst, obwohl ich es mir vorgenommen hatte. Was für ein Glück, dass die Ausstellung im Haus am Waldsee um eine Woche bis Pfingsten verlängert wurde und ich so noch die Möglichkeit geschenkt bekam, mir die über 220 Blätter aus dem viel umfassenderen Zyklus St.Paul des Berlin-Brandenburgischen Malers und Zeichners Martin Assig anzusehen. Lange habe ich nicht mehr ein so konzentriertes Publikum in einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst erlebt. Versunken in das Bildliche, hingegeben an die Stille des Betrachtens. Besucher, die stumm oder leise flüsternd staunen und kaum zu glauben mit ihren Augen in Zeichnungen versinken. Besucher, die nur einen kurzen Moment benötigen, um sich vom Üblichen der Geschäftigkeit und der halbinteressierten Langeweile zu befreien, und der Kunst wie in längst vergessenen und verpönten Tagen mit Andacht zu begegnen, als hätten sie ohne es selbst so recht zu bemerken einen sakralen Raum betreten, der sie plötzlich stummen werden ließ, weil eine Schwelle in eine andere Sphären übertreten wurde.Von diesen zeichnerischen Gebilden scheint einfach ein unwiderstehlicher Sog auszugehen, der Auge und Gedanken beharrlich in seine Welt hineinzieht. Martin Assig lauscht in seinen Zeichnungen dem Wahrnehmungsfluss des Tages bedrängende Fragen ab: Fragen nach dem Unausweichlichen und Ungeklärtem, immer mit wachem Ohr auch für das Wunder. Er begegnet dem Tod wie dem Leben mit einer Kunst, die er ebenso ernst zu nehmen scheint wie den Sinn für Freude, Hoffnung und Glück. Es ist eine selten gewordene Kunst, die hier ihre Nachrichten aus einer klösterlichen Abgeschiedenheit  des Ateliers sendet, in dem sie geduldig ihre Einsichten entwickelt. Auf stummem Papier formuliert sie existentielle Fragen von Liebe, Hoffnung und Schicksal, dabei nie humorlos und schon gar nicht grau wie die Nacht wird. Im Gegenteil: die Ausstellung blüht. Ein Meer von Farben, geometrischen Mustern und Ornamenten, in die Fragmente von Körperteilen und Kunstwerken, Gesichter und Sprechblasen, Bildkristalle und Gedankensplitter hineinragen. Mit kindlicher Einfachheit und entschiedenem Wahnsinn gezeichnet. Einzigartig und schutzlos in ihrem Geheimnis.
Die Besucher, so erzählt Katja Blomberg – Kuratorin und Leiterin des Haus am Waldsee – kommen oft weitere Male in die Ausstellung, um diese wieder und wieder zu sehen. Wie in der Hoffnung auf eine weitere Unterredung mit einem Freund und Fremden, dem man unbedingt noch einmal zu begegnen wünscht, bevor – man weiß es – er bald und plötzlich verschwindet.
Der Abschied naht: Nicht verpassen! Noch bis zum kommenden Wochenende ist die Ausstellung im Haus am Waldsee zu sehen.

 

Martin Assig, St. Paul #67, 2010 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Martin Assig, St. Paul #67, 2010 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Martin Assig, St. Paul #7, 2009 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Martin Assig, St. Paul #7, 2009 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Martin Assig, St. Paul #36 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Martin Assig, St. Paul #36 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Martin Assig, St. Paul #316, 2013 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Martin Assig, St. Paul #316, 2013 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Martin Assig, St. Paul #468, 2013 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Martin Assig, St. Paul #468, 2013 Ⓒ Martin Assig, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Haus am Waldsee

Argentinische Allee 30
14163 Berlin
Di-So 11 Uhr – 18 Uhr

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