Kunsthistoriker

Die Plastizität
des eingefrorenen
Augenblicks.

Martin Honert im Hamburger Bahnhof.

„Martin Honert. Kinderkreuzzug“, Installationsansicht Hamburger Bahnhof, 2012 mit den Werken Star, 1992, und Feuer, 1992 © VG Bild-Kunst, Bonn 2012 Foto: David von Becker Courtesy Johnen Galerie, Berlin und Matthew Marks Gallery, New York

Ein Essay zu Martin Honert anläßlich der Ausstellung “Martin Honert. Kinderkreuzzug” im Hamburger Bahnhof | Berlin (7. Oktober 2012 bis 7. April 2013).

Das Kind begeistert die Welt. Mal verzaubert, ein anderes Mal verängstigt ist es ganz und gar in sie eingetaucht, unauflöslich mit ihr verbunden. Es steht in einem Zauberkreis, in dem die Trennschärfen der Rationalität ihr Werk noch nicht begonnen haben. Seine Welt ist voller Offenheit gegenüber dem unhinterfragt Tatsächlichen, prall an alltäglicher Absurdität und magischen Gewohnheiten. Eine unfertige Welt voller Sensationen des Augenblicks, voller Rätselhaftigkeit und Staunen, voller nomadischer Einbildungskraft. Selbst noch das Paradoxeste ist die kindliche Imagination stets bereit als das Gegebene anzunehmen, um daraus im nächsten Moment eine neue Welt zu formen.Doch was bleibt von diesen imaginativen Fähigkeiten des Kindes, wenn es nicht mehr Kind ist?

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Vergiss die Angst!

Occupy & die Wut im Bauch der KunstWerke.
Ein Nachruf auf die 7. Berlin Biennale 2012.

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Schon die letzte, von Kathrin Rhomberg vor zwei Jahren kuratierte Berlin Biennale hatte sich an dem versucht, was draußen wartet. Getragen von einer neugierig gestimmten Sehnsucht nach Wirklichkeit eröffnete dieser tastende Versuch, aus einem als selbstbezüglich vermuteten Kunstsystem herauszutreten, seinerzeit die Frage, ob sich inmitten der Bildmächtigkeit und Bilderfülle, die unsere Medien unablässig produzieren, Wirklichkeit und ein kritischer Blick auf die Verhältnisse, die sie begründen, überhaupt noch herstellen lasse.

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Im Fluss
der Dinge.

Zur Kunst von Thorsten Dittrich.

Thorsten Dittrich: Freigabe. Ölmalerei/ Zeichnung auf Papier und Leinwand.42x50cm, 2012

Wirft man einen chronologischen Blick auf die Werke von Thorsten Dittrich und betrachtet man sie in der Reihenfolge ihrer Entstehung, staunt man über ihre stetigen Wandlungen und Erneuerungen. Auch wenn Dittrich den Gattungen der Malerei und der Grafik treu geblieben ist (abgesehen von manchen seltenen Ausflügen zur Objektkunst) und zudem seriell arbeitet, auch wenn er bisher keinen abrupten, völlig unvorhersehbaren Wechsel in Themen oder Stil vorgenommen hat und auch wenn eine gleichbleibende Grundstimmung – analog zu einem bestimmenden Rhythmus – das junge Oeuvre durchzieht, hat sich das abgedeckte Spektrum seiner Kunst gerade in den letzten Jahren stark geöffnet und dehnt sich weiter proteisch aus.

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Sowohl als auch

Wolf Raskins abstrakte Malerei.

Wolf Raskin: OM III (A) 10 11 1. Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm, 2011

Vielleicht gibt es nur zwei fundamentale Möglichkeiten, sich einem ungegenständlichen Gemälde zu nähern. Entweder verschmilzt der Betrachter mit dem Bild und gibt sich voller Lust der Kraft der Farbe und der Dynamik des Rhythmus hin, oder er hält es auf Distanz und versucht, dessen Bestandteile zu identifizieren um dessen Logik zu lüften. Vielleicht führen nur diese zwei Wege zum abstrakten Bild − der empathische und der analytische. Vielleicht entspricht diese Rezeption sogar zwei grundsätzlichen Arten, ein ungegenständliches Bild zu malen: Intuitiv und gefühlsbetont, dem Instinkt folgend oder planend und zielgerichtet, bedacht, die Gesetzmäßigkeiten der Malerei auslotend.

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Retroskulptur.

Im Modellbaukasten der Abstraktion.

Thomas Kiesewetter: Taumel, 2010 / Metallblech, Plastik, Stahl, Sprühfarbe, 68 x 70 x 75 cm, © Foto: Jochen Littkemann, Courtesy: Contemporary Fine Arts Galerie GmbH

Essay zu zeitgenössischer Skulptur und Abstraktion anläßlich der Ausstellung “Abstrakt //// Skulptur” im Georg-Kolbe-Museum / Berlin (26.06. – 04.09.2011).

Fast schon im märkischen Sand, aber noch unter den hohen Kiefern des Grunewalds versammelt das Kolbe-Museum derzeit in den ehemaligen Ateliers des Berliner Bildhauers eine seltene Schau zur Abstraktion in der zeitgenössischen Skulptur. Abstraktion, man erinnert sich nur noch vage, war einst eine Reizvokabel, und für manches kunstferne ästhetische Urteil mag sie dies möglicherweise noch immer sein.

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