Unter uns

Es kann nicht genug gute Magazine für Kunst geben. Obwohl telepathisch begabt, sind wir kein Fernrohr. Und wir blicken nicht für andere durch das Schlüsselloch des Kunstbetriebs. Unser Fokus liegt auf Berlin – und wir folgen unseren Leidenschaften. Das schließt Distanznahme, nüchterne Beobachtung und Kritik nicht aus. Wir glauben an ihre Möglichkeiten.
Ein noch größeres Potenzial erkennen wir in experimentellen literarischen, künstlerischen und philosophischen Formen kritischer Reflexion. Die Grenzen der Disziplinen sind – trotz immer erneuter Festlegungsversuche – dynamisch gleitend und wechselseitig durchlässig. Wir nutzen die freigesetzten Energien, treiben den intensiven Austausch voran und schärfen den Möglichkeitssinn.

Was gut ist, ist relativ und eine Frage des Geschmacks. Und der ist ein ebenso subjektives wie konventionelles und milieubedingtes Kriterium. Wir stehen zu unseren Vorlieben und zu unserem Geschmack, stellen sie aber bewusst auch zugunsten anderer Positionen zurück. Zugunsten einer Heterogenität, die unsere Einseitigkeiten durch ein- und widersprüchliche Vielfalt bereichert. Redaktionell unabhängig, sind wir dem Kunstnetzwerk qjubes verbunden, aus dem wir von Zeit zu Zeit ausgewählte Kunst und Künstler vorstellen, die wir besonders schätzen.

Schon Duchamp sah aufgrund stark zunehmender Nachfrage die unvermeidliche Gefahr einer Verwässerung von Kunst. Was uns jedoch wundert, ist das freiwillige Entgegenkommen, mit dem man sich vorauseilend den Maschinerien fügt, die gut konsumierbare und glatt funktionierende Vereinheitlichungen produzieren und aufrecht erhalten. Manchmal sind der Kunstbetrieb und die formelhaften Diskurse, die ihn strukturell durchdringen, so dröge, daß selbst ‘ein blauärschiger Mandrill sein Temperament verlieren’ würde. Wir verweigern uns also der Entschärfung und Sterilisierung des Begehrens und öffnen uns der Promiskuität der überraschenden Vielfalt. Wir werden von ‘der’ Kunst und der Auseinandersetzung mit ihr nicht lassen. Ebenso wenig wie von den vielen ihr verbundenen Themen, die sie und uns umtreiben und antreiben, nähren und inspirieren.

Uns leitet das, was uns berührt, bewegt und fasziniert. Auch das Stille, Ruhige und Unscheinbare. Und wir setzen darauf, daß sich unsere Lust an der Reflexion auf den Leser überträgt. Kunst und Kritik sollten die Spuren des Begehrens selbst in dem, was sie nicht sagen, jedoch umkreisen, noch deutlich eingeschrieben sein als vektoriale Kräfte, die anregen und anstiften – und hinaus ins Leben weisen.